Primera Comunion
26.10.2008
Primera Comunion
Heute morgen war Kommunion und ich war Kommunionspate von den Zwillingen Daniel und David. In Bolivien ist es auch –wie in Deutschland- eigentlich üblich, dass die Kinder einen Taufpaten und einen Firmpaten haben, aber im Hogar ist es mittlerweile normal, dass die Kinder sich noch einen Paten zu ihrer Kommunion aussuchen. Ist aber auch schön, denn so oft bekommen die Kinder ja nichts geschenkt und über meine Kleinigkeiten haben sie sich riesig gefreut –genau wie ihre Mama, die auch da war und sich auch total gefreut hat, dass ich ihren Söhnen etwas geschenkt habe. Der Gottesdienst war wieder –wie bei der Taufe- schön. Das läuft hier total anders ab, als in Deutschland und 70% der Zeit wird gesungen, aber keine langsamen Kirchenlieder…;)
Letzte Woche hatten wir noch ein krasses Erlebnis. Wir sind Sonntagnachmittag in den Parque El Arenal gefahren. Das ist einfach ein Treffpunkt relativ zentrumsnah, wo sich am Wochenende die Einheimischen treffen, es gibt einen kleinen See mit Tretbooten etc. Wollten uns das einfach mal angucken, haben dann dort einen deutschen Bäcker mit Bauchladen getroffen und Sreuselkuchen(lecker!) gegessen, sind rumgelaufen und haben uns dann auf einer Bank zum Melone essen niedergelassen. Zwei Minuten später wurden wir dann mit einem fetten Stein beworfen, der ca. 20 cm an meinem Kopf vorbeigeflogen ist. Daraufhin sind wir da abgehauen. Auch wenn wir es schon nicht mehr so merken, aber wir werden hier immer noch „angestarrt“ und sind bei manchen Leuten wohl auch nicht sonderlich beliebt, als „gringos“.
Sonst gibt es nicht viel Neues zu berichten. Wir arbeiten jetzt samstags von 7-19 Uhr. Gestern zum erste Mal. Es war zwar anstrengend und ich hab den Vormittag über gedacht, ich schlafe ein –wir waren Freitagabends noch schön bolivianisch essen-, aber der Tag war eigentlich ganz schön. Am Wochenende kann man einfach mehr Zeit mit den Jungs verbringen. Am Vormittag ist noch Oficio (Schlafzimmer, Aufenthaltsraum, Hof etc. wird sauber gemacht) und Katechese (? ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie das deutsche Wort richtig geschrieben wird), aber nach dem Mittagessen geht’s dann ins Schwimmbad und sonst ist der Nachmittag auch eher entspannt. Im Schwimmbad habe ich dann erst mal einen leichten Tritt bekommen und bin auch drin gelandet (natürlich inklusive Klamotten), aber die Mädchen und Frauen baden hier eh etwas mehr bekleidet, also in Tshirt und Shorts. War etwas anstrengend, sich über Wasser zu halten, wenn an jedem Arm und Bein ein paar kleine Jungs hängen, aber ich freue mich schon auf nächsten Samstag!
Mittlerweile mache ich schon seit einigen Tagen vormittags (unter der Woche) mit vier Jungs aus meiner Gruppe Einzelhausaufgabenbetreuung. Die vier sind in der ersten Klasse und etwas anstrengend, aber es pendelt sich immer mehr ein, dass sie sogar auch mal auf mich hören;)
Bautismo
19.10.2008
Heute wurden in der Iglesia Maria Madre de los Jovenes Kinder vom Hogar Don Bosco und von Mano Amiga getauft. Naechste Woche sind dann noch Kommunion (wo ich Pate von den Zwilligen Daniel und David sein werde) und danach die Woche Firmung (wo ich auch noch Firmpate sein werde). Der Gottesdienst heute morgen war echt schoen vorbereitet und gehalten. Das laeuft hier sowieso etwas anders ab als in Deutschland, es ist ganz locker, es wird ganz viel gesungen und sogar ein bisschen getanzt und ist einfach eine schoene Atmosphaere.
Die Taufe lief ein bisschen anders ab, als bei uns. In Deutschland wuerde man sowas "Massenabfertigung" nennen, weil einfach so viele Kinder (glaube so um die 40) auf einmal getauft wurden, indem sie mit ihrem Taufpaten zusammen nach vorne gegangen sind und dort von Padre Octavio und Padre Carlos getauft wurden. Das ganze fast im Sekundentakt, aber es war trotzdem schoen und ich fand die Kinder kamen dabei nicht zu kurz. Spaeter haben wir dann auch noch Fotos ohne Ende gemacht und nun muss ich mal einige entwickeln lassen, da teilweise Eltern und Familienangehoerige da waren und die Kinder davon natuerlich gerne Bilder haben.
Nach der Messe gabs noch ein kleines Merienda (ist sowas wie in Deutschland Kaffeetrinken, nur hier halt am Vormittag und am Nachmittag) mit Kuchen, Empañadas, Getraenken etc.
Ansonsten gibt es von hier nicht viel Neues zu berichten. Mitte/Ende November bekommen die Kinder Schulferien und wir werden dann wahrscheinlich mit ihnen eine Woche zum Campamento fahren. Campamento machen sie immer in den Ferien, das beudetet einfach, dass sie aufs Land (al campo) in ein Don-Bosco-Haus fahren und dort ein oder zwei Wochen verbringen. Denke das wird ganz schoen und ist nicht so alltaeglich, denn morgen bin ich zwei Monate hier und der Alltag ist schon mehr oder weniger eingekehrt. Wuerde meinen Geburtstag lieber mit den Maedels hier feiern (vor allem weil es ein Samstag ist;)...), aber das feiern wir nach.
Zu berichten waere vllt noch, dass das Wetter immer heisser wird und es an manchen Tagen eigentlich nur unertraeglich ist und man 24 Stunden unter der kalten Dusche stehen will. Apropos kalte Dusche. Wir duschen mittlerweile seit 2 Monaten kalt und haben nun letztens erfahren, dass man das Wasser auch warm stellen kann:D Nur funktioniert das bei unserer Dusche leider nicht, jetzt muessen wir uns erst nochmal Antonio organisieren, der auch schon unsere Zimmer so schoen gestrichen hat.
Naechste Woche faengt auch endlich unser Spanischunterricht an. Wir haben uns nun einen Profesor engagiert und werden uns zwei- oder dreimal in der Woche mit ihm zusammensetzen. Mein Spanisch ist zwar in so Alltagsdingen natuerlich ein bisschen besser geworden, aber ich kann mich halt immernoch nicht fliessend unterhalten. Das wird vor allem zum Problem, wenn ich die Kinder "unter Kontrolle haben" muss. Gestern z.B. war ich mit meiner Gruppe und zwei bolivianischen Volontaerinnen 30 Minuten alleine, da die Erzieherin kurz weg musste und es ging drunter und drueber. Die beiden anderen koennen zwar Spanisch, sind aber fuer die Kinder noch komplett fremd, weil sie nur gestern da waren und ich kann mich einfach nicht so perfekt ausdruecken, dass ich mit Nachdruck meine Meinung klarstellen kann. Deshalb wird es Zeit, dass ich das Spanisch besser beherrsche!
Samaipata
4.-5.10.2008
Samaipata
Samstagmittag sind wir endlich nach Samaipata aufgebrochen! Mit dem Sammeltaxi zu sechst (etwas ungemütlich) sind wir dann 2 ½ Stunden lang durch die Berge dort hingefahren. Allein die Strecke war schon schön zum angucken. Angekommen sind wir dann nachmittags, haben uns das Dörfchen angeguckt und was gegessen. Samaipata ist zwar nur ein kleines Dorf, hat aber auch einen Plaza wie Santa Cruz. Abends waren wir noch sehr lecker essen, ich glaube das war das erste richtige leckere Essen, das ich seit 6 Wochen bekommen habe.
Mit unserem Taxifahrer haben wir gleich eine Tour für den nächsten Morgen ausgemacht, er hat uns morgens vom Hostal (was sehr schön war, aber leider gemischte Zimmer hatte…und Christin und ich dann unser Zimmer mit einem Brasilianer teilen mussten) abgeholt und ist mit uns zu den Inkaruinen El Fuerte gefahren. Sehr eindrucksvoll auf jeden Fall und da keine Saison ist, war nichts los. Es war still, die Luft war total klar und kalt und es war der komplette Gegensatz zu Santa Cruz! Später sind wir dann noch zu den Wasserfällen Las Cuevas gefahren, Baden konnten wir leider nicht, denn das Wetter war das ganze Wochenende nicht so toll.
Der Wochenendausflug war also wirklich schön und wir haben endlich mal was von Bolivien gesehen und haben uns teilweise echt wie mitten in Südamerika gefühlt.
Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten außer, dass ich meine Arbeitszeiten jetzt geändert habe und vormittags bis 11 arbeite, statt mittags. Meine Abendschicht behalte ich aber, denn die Jungs ins Bett zu bringen ist eigentlich ganz schön, da ich abends ein bisschen Zeit mit ihnen habe und ich am Freitagabend sogar ein bisschen mehr über einzelne Jungs erfahren habe…
Übrigens kam eben Antonio -der schon unser Klo repariert hat- um unser Zimmer zu streichen. Leider hat er kein Material dabei und muss jetzt warten bis heute Nachmittag irgendwann alles geliefert wird und er anfangen kann. Wir sind jetzt sozusagen obdachlos, da unser Zimmer ausgeräumt ist und wir jetzt ein oder zwei Nächte bei den anderen schlafen müssen. Ich hoffe, diese Aktion zieht sich nicht so lange hin!
Feria und Brunch
27.9. / 28.9.2008
Gestern Abend waren wir nochmal auf der Feria, um einfach endlich mal Abends was zu unternehmen. War ganz schoen, wir haben nach ueber einem Monat endlich das erste bolivianische Bier getrunken, was echt gut schmeckt ;) Ausserdem natuerlich nochmal die ganzen tollen Staende angeguckt und Eis gegessen und so weiter. Wir waren mal wieder DIE Attraktion dort. Es gab da auch verschiedene Pavillons, die so Discomaessig waren, leider mit megalangen Schlangen und als wir an einem vorbeigegangen sind hat uns der Typ der davor so Erinnerungsfotos macht, erstmal rangewunken und wir mussten posieren mit so komischen halbnackten Stripperinnen oder so:D Das Bild hat er uns dann auch ausgedruckt, war ganz lustig. Und ich musste mich dann nochmal extra da hinstellen und laecheln, war etwas komisch, denn ein paar hundert Leute haben zugeguckt, aber die finden uns hier einfach total exotisch...
Heute Vormittag waren wir dann zum Brunchen bei einer Bolivianerin (gleichzeitig aber auch Deutschen-sie hat einen deutschen Pass) eingeladen, die in verschiedenen Don Bosco Einrichtungen mitarbeitet. SIe ist super nett und die Familie war da, manche sprechen auch deutsch und ein Schwiegersohn kommt aus Deutschland, jetzt haben wir mal wieder eine neue Telefonnummer und Kontakt zu Einheimischen. Das ist echt von Vorteil, denn wir wollten eignetlich neachstes Wochenende nach Samaipata fahren, aber die haben gesagt, wir sollten das auf garkeinen Fall machen, ist viel zu gefaehrlich. Also es ist hier keineswegs alles vorbei, nur weil es IN der Stadt ruhig ist. Wir sollen uns nicht ausserhalb der Stadt aufhalten und das koennte noch ein paar Monate anhalten. Morgen gibt es aber wieder ein Gespraech mit Morales und den Oppositionsfuehern. Also doch nichts mit "Frieden". Damit ist unser Ausflug erstmal gestorben und wir wurden auf den Boden der Tatsachen zurueckgeholt, ich glaube ich habe meine Angst schon fast komplett verloren. Wir duerfen nicht leichtsinnig werden. Das heisst dann mal wieder ein Wochenende rumgammeln, obwohl wir dann wohl mal in den Schmetterlingsgarten fahren werden. Ist zwar keine Schmetterlingssaison, aber da gibt es auch ein Schwimmbad und soll auch so ganz schoen sein und irgendwas muessen wir ja auch tun.
Wolfgang- also der deutsche Schwiegersohn, der seit 9 Jahren hier lebt- wird so schnell wie moeglich mit seiner Verlobten in die USA auswandern. Selbst den Bolivianern wird es hier mittlerweile zu heikel. Ich kann nicht sagen, dass fuer uns eine BEdrohung besteht, aber allein schon, dass wir nicht aus der Stadt fahren sollen, ist ja irgendwie schon bloed...sie sehen auch keine Hoffnung darauf, dass sich das in den kommenden Monaten verbessert, denn in den Bergen verstecken sich scheinbar Indianer (?!), die alles und jeden und vor allem Weisse ueberfallen wollen und die Bloqueos sind zwar aufgehoben, aber nicht wie wir dachten: komplett verschwunden, sondern die Aufstaendischen haben immernoch ihre Blockaden an dern Strassen, sie lassen einfach die Autos momentan nur durch. Ausserdem hat er uns nochmal klargemacht, dass wir hier einfach die Oberschicht sind, ob wir wollen oder nicht und uns am besten auch nur dort aufhalten, wo sich eben die "Oberschicht" aufhaelt. Mittlerweile habe ich mich aber schon daran gewoehnt, im Mercado einzukaufen und ins Internetcafe zu gehen, wo nur Einheimische sind, die absolut nicht zur oberen Klasse hier gehoeren.
Also wir warten jetzt mal ab, was die neuesten Nachrichten morgen ergeben und trauern um unseren Wochenendtrip ... bitte keine Sorgen machen, ich stecke nicht in einer dramaitschen ausweglosen Situation;) Ich hab dann einfach nur Langeweile, weil ich eigentlich auch mal Bolivien erkunden will!
fexpocruz
24.09.2008
Fexpocruz – Feria Exposición de Santa Cruz
Der 24.09. ist der Feiertag vom Departemento Santa Cruz! Zu diesem Anlass sind wir gestern mit allen Kindern des Hogars auf die Expo gegangen. Die findet noc bis zum Wochenende statt und vielleicht werden wir uns dort am Samstagabend noch mit ein paar anderen deutschen Volontären treffen, denn es war eigentlich ganz schön und man kann da mal was trinken gehen und sich hübschen machen (das fehlt hier, denn man läuft immer nur mit T-Shirts rum, wo Abdrücke von Kinderhänden drauf sind).
Nach einem ausgiebigen Merienda (eigentlich so was wie Kaffetrinken, aber diesmal mit Frikadellen) sind wir um 17 Uhr mit den Kindern gestartet. Da ich ja mit den Kleinsten unterwegs war, hatte ich wieder das Glück, nicht laufen zu müssen und wir wurden vom Padre auf einem Pickup dort hintransportiert. Lustig war, dass wir mit 29 Kindern und 8 Erwachsenen in, auf und an diesem Auto mitgefahren sindJ
Dort angekommen haben die Jungs dann jeder etwas Geld bekommen und sich sofort erst mal mit Unmengen an Süßigkeiten eingedeckt, denn es gibt dort riesige „Fresspakete“ für 10 Bolivianos, also einen Euro! Ich hab auch eins geschenkt bekommenJ
Wir sind dann ein paar Stunden so übers Gelände gewandert und haben uns verschiedene Sachen angeguckt. Es ist keine Messe so wie wir es aus Deutschland kennen. Irgendwie ist dort alles ausgestellt, es gibt Handies zu kaufen und riesige Kühe zu bestaunen. Dann gibt es überall Bühnen mit Musik, Essstände ohne Ende, Kinderbelustigung und Pavillons (z.B. den Pabellón internacional, wo es auch einen Stand „Alemania“ gab. Ich konnte allerdings nicht erkennen, was dort ausgestellt wurde, denn es hingen nur Plakate von Frankfurt etc. an einer Wand und sonst gab’s nicht viel zu sehen). Im bolivianischen Pavillon war dann von Möbeln bis Süßigkeiten auch wieder alles zu finden. Sehr gut fand ich vor allem die ganzen Artesania-Stände mit Handarbeiten und Schmuck, aber da konnte ich leider nicht wirklich gucken mit den Jungs…
Abgesehen davon ist diese Woche noch nicht viel passiert. Im Heim gab’s vorgestern mal wieder Stress, zwei Jungs haben sich beim Mittagessen in die Haare bekommen, einer hat dann mit dem Löffel so fest zugeschlagen, dass der andere eine Platzwunde am Kopf hat. Ich bekomme die auch nicht wirklich unter Kontrolle, wenn die erst mal richtig böse werden, dann wird es für mich schon schwierig, zwei 10-jährige auseinander zu halten. Außerdem ist die Sprache immer noch ein störendes Hindernis, aber ich habe jetzt vor drei Tagen endlich angefangen, nachmittags Spanisch zu lernen und somit schon wieder ein paar Vokabeln dazugelernt.
Fiesta
21.09.2008
Heute gab es im Hogar Don Bosco ein großes Mittagessen mit Leuten aus ganz Lateinamerika, die sich die Don Bosco Einrichtungen in und um Santa Cruz in einer 5-tätigen Rundfahrt angeguckt haben. Die Funktion der Besucher habe ich nicht so genau verstanden, es waren einige Padres darunter, aber auch Frauen, also ich weiß nicht so genau, aber ich glaube, dass es auf jeden Fall Leute von den Salesianern Don Boscos waren.
Eigentlich ist Sonntag unser freier Tag, also haben wir die Messe morgens schon mal geschwänzt. Wir sind dann kurz vor Mittag rüber gegangen, die Sporthalle war schon als Essenssaal hergerichtet. Später haben die Kinder dann noch verschiedene kleine Tänze aufgeführt und die Besucher sind dann weitergezogen, um sich Mano Amiga anzuschauen. Eigentlich nichts Spektakuläres, aber auf jeden Fall eine Abwechslung, vor allem für die Kinder und es war ein schöner Nachmittag.
Wir sind dann später noch in die Innenstadt gefahren, haben was getrunken und uns einen Markt angeguckt. Endlich wieder seit fast 2 Wochen! Mittlerweile ist es hier so ruhig, dass man ohne Bedenken wieder ins Zentrum fahren kann, das hat zumindest der Taxifahrer gesagt und es war wirklich nichts los, was irgendwie bedenklich wäre. Man hört auch nachts nichts mehr und scheinbar kehrt nun Ruhe ein, da Morales und die Oppositionsführer einen Kompromiss gefunden haben.
Ich werde schon nicht übermütig werden, keine Sorge;) Wir wollen dann so bald wie möglich unseren Samaipata-Trip nachholen, werden uns aber vorher auf jeden Fall noch mal mit Einheimischen verständigen und nachfragen, ob das für uns keine Gefahr mehr bedeutet.
Ansonsten ist in den letzten Tagen nicht viel nennenswertes passiert, außer vielleicht, dass unser Klo den Geist aufgegeben hat:D Irgendwie hat uns Niemand gesagt, dass man kein Papier darein schmeißen darf –können wir ja nicht wissen- und schon war das blöde Ding erst mal 2 Tage außer Gefecht gesetzt. Nachdem der Hausmeister vom Hogar es dann aber einmal ganz rausgebaut hatte, geht alles wieder! Das ist etwas, was mich hier echt nervt. Möchte gerne ein deutsches Klo, bzw. deutsche Abflussrohre.
Achja, diese Woche war drei Tage lang keine Schule (wegen der Ausschreitungen) und den Kindern wurden dann am Dienstag zwei Filme gezeigt: „Das Leben ist schön“ und ein Film über den Holocaust. Als wir dann dort rausgegangen sind, hat einer der Jungs zu Julia und mir gesagt: „Die Deutschen sind schlechte Menschen.“ Irgendwie verstehe ich nicht, wie man 6-jährigen so was vorspielen kann, weil sie es erstens noch gar nicht richtig verstehen können und zweitens der Film über den Holocaust viel zu brutal war. Aber das haftet Bolivien irgendwie so ein bisschen an, dass man mich hier ständig mit irgendwelchen Dingen aus vergangenen deutschen Zeiten konfrontiert wird…
Techo Pinardi und Patio Don Bosco
16.09.2008
Besuch im Patio Don Bosco und Techo Pinardi
In den letzten Tagen ist nicht viel passiert, außer, dass ich endlich das Patio Don Bosco und das Techo Pinardi kennen lernen konnte. Im Techo war ich gestern Abend ab 18 Uhr. Dort kommen abends Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben bzw. ihren Tag dort verbringen hin, können dort duschen, Essen, spielen, Musik hören, mit einer Psychologin sprechen und auch die Nacht verbringen. Voraussetzung ist, dass die Drogen (und Zubehör wie Feuerzeug, Löffel, Spritzen) an der Tür abgegeben werden. Auch Waffen sind verboten. Ich hatte den Eindruck, dass wenigstens drei der Jungs (es war nur ein Mädchen dort, zusammen mit ihrer kleinen Tochter, wobei das Mädchen auf jeden Fall unter 18 Jahren war, denn ab 18 werden die Jugendlichen im Barrio Juvenil untergebracht) in irgendeiner Weise noch auf Drogen waren. Zweimal haben sie mich auch gefragt, ob ich Marihuana dabei habe. Wir sind dann bis um kurz nach 22 Uhr dort geblieben, denn um die Zeit gehen alle dort ins Bett. Mit den Jugendlichen im Techo ist es schon sehr anders als mit meinen Jungs im Hogar. Sie kommen direkt von der Straße dorthin und haben keinen festen Tagesablauf und müssen sich nicht an strikte Vorgaben für den Tag halten.
Auch der Umgang mit ihnen ist viel schwieriger. Da ich erst 19 bin ist der Altersunterschied nicht sehr groß und ich bin eher auf der „gleichen Stufe“ und kann deshalb keine wirkliche Autoritätsperson darstellen. Die Jungs sind teilweise sehr aufdringlich…für mich kein leichter Stand. Außerdem ist es mit der Sprache schwierig, denn ich habe eigentlich nicht viel von dem verstanden, was sie mir erzählt haben, da sie total anders als die Kleinen im Hogar sprechen. Eine ganz komische Aussprache und auch total schnell, da hilft auch kein Bitten um langsames Reden.
Ich glaube, ich könnte dort nicht arbeiten, denn der Umgang ist extrem anstrengend (grade als Frau hat man es nicht leicht) und ich weiß auch nicht, wie ich mich Jugendlichen gegenüber verhalten soll, die offensichtlich total auf Drogen sind.
Als wir dann gegangen sind, war einer der Jungs wieder draußen auf der Straße. Ich habe ihn dann mit seinen Kumpels auf dem Bürgersteig liegen sehen…
Heute Morgen waren wir dann im Patio Don Bosco. Eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche, wo sie sich tagsüber aufhalten können, dort betreut werden, essen können. Teilweise waren wieder die gleichen Jungs wie vom Vorabend im Techo da. Ich glaube diese Jugendlichen können sich einfach nicht hundertprozentig von ihrem Leben auf der Straße trennen, denn es steht ihnen ja immer frei zu gehen, wenn sie möchten oder auch einfach nicht zu kommen. Ein Junge hat mir erzählt, dass er seit 8 Jahren ins Techo kommt. Aber ins Heim zu gehen, dazu kann er sich scheinbar seit 8 Jahren nicht entschließen.
Im Patio haben wir den Vormittag verbracht, die Jungs haben dort Sport getrieben, gespielt, gebastelt, Fernsehen geguckt.
Neben den Kindern und Jugendlichen, die von der Straße ins Patio kommen, leben dort noch (sexuell) misshandelte Kinder, die zu Hause nicht bleiben können. Sie verbringen den Tag möglichst getrennt von den „Straßenkindern“, scheinbar um keinem schlechten Einfluss ausgesetzt zu werden. Ich glaube, sie beanspruchen auch die meiste Zeit der Psychologin vom Patio.
Ansonsten kann ich noch vom mittlerweile eingekehrten Alltag im Hogar berichten. Ich habe ein paar lustige Namen bei den Jungs entdeckt. In meiner Gruppe habe ich Darwin (meinen kleinen Liebling – auch wenn man keinen haben soll), Bismark und Dieter. Typisch bolivianische Namen ebenJ
Außerdem laufen dort noch Hugo und Erwin rum. Ich frag mich, wer die Kinder so nennt. Bis ich verstanden habe, dass Bismark „Bismark“ heißt, hat es erst mal ein paar Tage gedauert, da man hier „Bisma“ oder meistens „Bima“ sagt. Dieter wird auch nicht „Dieter“ sondern „Dito“ gerufen. Also etwas verwirrend für mich, vor allem weil ich eher mit solchen Namen wie Ricardo, Eduardo, Fernando, Jesús (auch ein cooler Name), Juan Carlos, José Maria, Carlos, Roberto und Antonio rechne, denn das sind die beliebtesten Namen hier.
Mir fallen grad noch die Zwillinge Brayan und Brandon ein, ich finde Brayan klingt wie ein indischer Gott und Brandon wie ein AmiJ
Im Hogar hatte ich gestern nach dem Mittagessen noch ein krasses Erlebnis. Um von vorne anzufangen: Am Sonntag kommen irgendwie Besucher ins Hogar und werden auch mit den Kindern Mittagessen. Da es beim Essen nie besonders ruhig zugeht, empfand ich es gestern als ganz normal. Nachdem alle fertig waren, wurde noch wie immer ein Gebet gesprochen und dann die Stühle hochgestellt. Gestern allerdings mussten die Kinder dann noch 45 Minuten ruhig im Essensraum stehen bleiben, da die „Erzieher“ meinten, es war während dem Essen zu laut und für Sonntag müsste geübt werden, ruhig zu sein. Also haben sie eine halbe Stunde lang einen Vortrag gehalten, darüber wie man sich beim Essen zu benehmen hat. Sie versuchen 6-jährigen Kindern einzutrichtern, dass sie eine halbe Stunde lang nichts sagen dürfen, während sie essen. Meiner Meinung nach vollkommen sinnlos.
Die ganze Aktion hat mich einfach nur genervt und ich verstehe den erzieherischen Sinn dahinter auch nicht. Wenn das mit dem Spanisch nicht so schwer wäre, würde ich gerne mal mit dem Padre über diese ganzen Sachen sprechen, aber solange ich mich nicht einwandfrei ausdrücken kann, halte ich mich mit so etwas lieber etwas zurück.
Aber die Methoden hier kann man wirklich in Frage stellen. Für hiesige Verhältnisse mag das alles „normal“ sein, aber das heißt noch lange nicht, dass es auch gut ist.
Zum Schluss noch zu den schönen Dingen im LebenJ Heute Nachmittag waren wir bei Bits&Cream –das ist so eine Eisdielenkette- und haben für 30Bolis beim All you can eat mitgemacht. Fataler Fehler, denn uns allen ist total schlecht, aber es war soo lecker und ich weiß nicht wie viele normale Eisbällchen ich mir reingestopft habe neben den Milchshakes die man nebenbei auch noch bekommt und dem kleinen Begrüßungseis. Echt eine super Sache, aber aus unserem Plan heute Abend Pfannkuchen zu machen, wird nichts. Wir sind auf Salat umgestiegenJ
P.S. Neuigkeiten zur politischen Situation habe ich noch nicht wirklich, aber man liest und hört hier, dass sich die Lage normalisiert und die Unruhen abnehmen werden. Wir haben auch schon zwei Nächte lang nichts mehr gehört. In Deutschland heißt es wohl, dass in Bolivien der Bürgerkrieg ausbrechen wird, ich verstehe das alles nicht so ganz, ich glaube es wird viel verdreht oder dramatisiert oder vielleicht hier auch heruntergespielt. Ich weiß es nicht. Das Ergebnis des Treffens zwischen Morales und anderen Regierungsvertretern hat meines Wissens nach, nur hervorgebracht, dass die anderen südamerikanischen Regierungen Morales den Rücken stärken und Morales versuchen will, mit den Oppositionsführern eine Einigung zu finden.
In den Fernsehnachrichten habe ich heute Nachmittag schon wieder gesehen, wie Militär auf Demonstranten schießt. Allerdings nicht in Santa Cruz, sondern Cobija (oder so ähnlich hieß die Stadt).
Ich kann also nur sagen, dass es sich meiner Meinung nach beruhigt, aber ich weiterhin vorsichtig sein werde, was Besuche im Zentrum angeht.
anhaltende Unruhen
14.09.2008
Das Ganze haelt immernoch an und irgendwie ist kein Ende in Sicht. Staendig neue Nachrichten, wie "der Kriegszustand wurde ausgerufen" und "das Militaer wird geschickt" und so weiter. Was alles wahr ist und was nicht, kann ich von hier nicht gut unterscheiden, da wir vieles einfach so vom Erzaehlen hoeren und ich von Deutschland ja auch staendig was mitbekomme. Hauptsache ist, dass wir nicht in Panik verfallen. Bis jetzt machen wir uns zwar ein bisschen Sorgen, aber denken nicht daran, jetzt nach Deutschland zu fliegen. Die Lage ist angespannt und es nervt einfach nur,dass wir nicht ins Zentrum koennen und nicht im Dunkeln raus und hier eigentlich voll festhaengen. Nach Deutschland moechte ich momentan auch nicht wirklich, da ich mich grade relativ gut eingelebt habe und diesen Schritt hundertprozentig nicht nocheinmal wagen wuerde. Dafuer ist mir der Abschied zu schwer gefallen! Also ich hoffe jetzt auf das Beste. Fuer morgen ist wohl ein Treffen zwischen Morales und anderen Regierungsvertretern in Chile anberaumt und vielleicht kommt ja etwas Gutes dabei raus. Ich versuche ab morgen frueh wieder das deutsche Konsulat zu erreichen, das ganze Wochenende kamen wir nicht durch, ich glaube das Handynetz spinnt auch.
Also macht euch nicht zu grosse Sorgen, ich bin in meinem Haus sicher und mache eh momentan nichts, ausser Arbeiten, im Internetcafe sitzen oder im Haus sein!
Unruhen in Santa Cruz und ganz Bolivien
P.S. Gerade erfahre ich: Die Post wurde heute von irgendwelchen Demonstranten eingenommen (das hört sich an, wie eine feindliche Übernahme im Krieg oder so). Also erst mal keine Briefe nach Deutschland.
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12.09.2008
Heute Nacht haben wir zum ersten mal von unserem Haus aus etwas von den Unruhen auf der Strasse mitbekommen. Wir wohnen zwischen dem 2. und 3. Ring (die Stadt ist -wie ich schon berichtet habe- in Ringe aufgeteilt. Das Zentrum liegt innerhalb des ersten Rings), der zweite Ring wurde in der Nacht davor bereits gesperrt und heute Nacht haben wir dann auch die Feuerwerkskoerper die staednig gezuendet werden gehoert, als wir im Bett lagen. Haben uns schon ein bisschen mulmig gefuehlt, vor allem, weil das ganze immer naeher kam, aber irgendwann war Ruhe, denn es zog ein riesen Gewitter auf, ein Donner hat glaube ich unser Haus erbeben lassen;) Ausserdem bin ich krank mit Erkaeltung. Die Nacht war also nicht wirklich erholsam.
Zur Lage hier weiss ich wahrscheinlich auch nicht mehr, als ihr auch im Internet nachlesen koennt. Chaez hat ebenfalls den US-Botschafter ausgewiesen, so langsam breitet sich das ganze auf Lateinamerika aus, was ich nicht verstehe, denn der eigentliche Konflikt dreht sich um die Unabhaengigkeit, die Santa Cruz erreichen will und die Verfassungsaenderungen die Morales vornehmen will. Die beinhalten, dass die Departementos in die BOlivien eingeteilt ist, noch weniger Recht auf Alleinbestimmung erhalten, ausserdem will Morales seine Position staerken. Chavez steht hinter Morales. Die USA sind nun auch indirekt irgendwie verwickelt und nun kann scheinbar nur noch der Preasidenkt von Brasilien das ganze wieder beruhigen, denn ich glaube nicht, dass die Unruhen von allein aufhoeren. Dafuer ist das ganze schon ziemlich weit, hier hoert man staendig von Toten bei Strassekaempfen, gestern Nacht wurde im Zentrum scheinbar auch schon mit scharfer Munition in die Menge geschossen, vorgestern waren es noch Gummigeschosse.
Padre Octavio hat aber wie ich eben erfahre habe, KOntakt mit unserem Koordinator von Don Bosco Volunteers in Bonn und schaetzt die Lage nicht als ZU gefaehrlich fuer uns ein. Wir koennen uns halt nur noch im Haus und im Heim momentan aufhalten, und eben nebenan im Internetcafe (wenn es denn auf hat und nicht aus Angst vor Pluenderungen geschlossen ist). Ich finde es schon nicht ungefaehrlich,wenn wir noch nicht einmal mehr ins Zentrum koennen, geschweigedenn aus Santa Cruz raus.
Also wir werden sehen, vielleicht sieht alle uebermorgen schon wieder anders aus und ich kann endlich wieder Torte und Eis am Plaza essen;)
Unruhen in Santa Cruz
Gestern Abend habe ich Julia, die ich schon von meinen Vorbereitungstreffen kenne, am Flughafen abgeholt. Mit Hermano Toni, der schon mich abgeholt hat, bin ich um 00.30 losgefahren. Um es schonmal vorweg zu nehmen, wir waren erst um 4.30 Uhr wieder zurueck, obwohl die Fahrt nur eine knappe halbe Stunde dauert. Zum einen hatte natuerlich der Flieger Verspaetung, zum anderen gab es gestern Unruhen und Strassenblockaden in der Stadt, sodass wir nicht bis zum Flughafen kamen. Wir mussten ca. 2 km vorher an einer Strassenblockade aus brennenden Autoreifen und Eisengittern aussteigen und hinter der Blockade in ein Taxi steigen. Auf dem Rueckweg das Gleiche. Um 4 Uhr morgens war das schon etwas unangenehm durch die ganzen Betrunkenen Leute, die mitten auf der Strasse liegen durchzulaufen, vor allem wir als Blonde junge Frauen. Hermano Toni meinte aber, das ist kein Problem eigentlich, da es denen ja nur um die Autonomie von Santa Cruz geht und sie gegen die Regierung demonstrieren und keine Leute ueberfallen wollen. Wir sind dann letztendlich heute morgen um 4.30 auch wieder im Haus angekommen.
Ansonsten bekommt man hier nicht viel davon mit, was so los ist. Scheinbar kommt es in Deutschland im ZDF in den Nachrichten, aber ich weiss garnicht, ob es in Santa Cruz ueberhaupt eine Tageszeitung gibt und wenn es sie gibt, dann ist sie von Cruceños (=Einwohner von Santa Cruz) und ist wahrscheinlich nicht wirklich unvoreingenommen, da die Autonomie hier glaube ich von allen gefordert wird. Am Plaza Principal (Plaza 24 del septiembre) haengt ein Riesenplakat. Ich habe es auch fotografiert, ist im Album "Santa Cruz" zu sehen!
Also macht euch keine Sorgen, es ist zwar was los hier, aber ich halte mich von jeglichen Demonstrationen fern:)